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Ein Kaufladen in klein

Vor zehn Jahren präsentierte das Hennebergische Museum Kloster Veßra eine kleine Sonderausstellung zum Thema „Historisches Kinderspielzeug und Brettspiele“. Unter den Objekten dieser Präsentation befand sich ein grüner Kaufladen. Hinter dem Kaufladen steckt viel (Familien-)Geschichte, weswegen er das Objekt des Monats März ist.

 

Der grün lackierte Kaufladen stellt einen Verkaufsraum in klein dar. Ein gesägter Bogen mit kleinen Glühbirnen rahmt den hölzernen Laden obig. Vier funktionstüchtige Schaufenster mit Türen sowie die detailreiche Ausstattung geben ihm seinen ganz besonderen Charakter. Selbst eine Beleuchtung des Ladens ist möglich. Mit viel Liebe zum Detail beinhaltet der Spiel-Kaufladen alles Wichtige: einen herausnehmbaren Ladentisch mit zwei Schaukästen und Schubfach sowie ein festes Wandregal mit gesägten Verzierungen obig, 16 kleinen Schubfächern und offenen Fächern. Diese können mit den unterschiedlichsten Produkten in Miniatur-Version gefüllt werden. Ein Karton mit Zubehör, wie etwa eine Waage, eine Kasse, diverse Schachteln mit Lebensmitteln und Waschpulver sowie Formen von Gebäck, Gemüse, Obst und Wurst gehören dazu und darüber hinaus auch andere Objekte wie eine Kassenzettel-Rolle und eine Uhr, die den Kaufladen abrunden. Es ist zu betonen, dass auf den angefügten Abbildungen nur ein kleiner Bruchteil der vorhandenen Miniatur-Waren vertreten ist.

 

Am 26. Januar 1994 schenkte Frau Ingeburg Albert aus Suhl den Kaufladen dem Museum. Seitdem hielt sie Ausschau nach dem Objekt, in der Hoffnung, ihn in einer Ausstellung präsentiert zu sehen. Als es 2016 schließlich so weit war, freute sie sich sehr. Die Ausstellung blieb bis in das Frühjahr des Folgejahrs bestehen und als Frau Albert über die Zeitung von der Ausstellung erfuhr, wollte sie unbedingt ihr einstiges Kinderspielzeug wieder sehen. Sie erkannte nämlich ihren Kaufladen auf dem Zeitungsbild sofort. Als sie am 7. Februar 2017 schließlich das Museum besuchte, unterhielt sie sich mit einer Museumsmitarbeiterin und erzählte die Geschichte und ihren Bezug zu dem Objekt.

 

Ihr Großvater baute den Kaufladen etwa 1910 für seine Tochter, Ingeburg Alberts Mutter. Ingeburg Albert spielte also in zweiter Generation mit dem Kaufladen. Der Großvater von Ingeburg Albert verstand sein Handwerk gut, denn er stellte eigentlich Puppen her. Als Bossierer formte er Puppenköpfe aus Ton, umgoss diese mit Gips und stellte so Gussformen her. Diese konnten anschließend mit Pappmaché ausgefüllt und zu Puppenköpfen geformt werden. Auch den Rest der Puppe bastelte Herr Albert, seine Frau nähte die kleinen Klamotten für die fertigen Puppen. Die Puppen verkauften die Großeltern von Ingeburg Albert. Von dem eingenommenen Geld wurde der Einkauf für die Familie bezahlt. Auch als die Familie 1939 von Sonneberg nach Suhl zog, wurde die Leidenschaft für Kinderspielzeug mitgenommen und darunter auch der selbstgebaute Kaufladen. Dieser wurde aber nicht alltäglich, sondern nur an Weihnachten zum Spielen aufgebaut. So blieb der Kaufladen etwas Besonderes und auch in einem guten Zustand. Die kleinen Waren des Ladens sammelten sich mit der Zeit zusammen und entstammen hauptsächlich den 1970er Jahren.

 

Momentan befindet sich der Kaufladen zwar in keiner Ausstellung mehr, aber dafür im frisch bezogenen Sammlungszentrum Henneberger Land. Dort steht er nun und wartet nur auf eine weitere Gelegenheit, den Gästen des Museums präsentiert zu werden.

 

Lea Formhals, M.A.

Kaufladen, Spielzeug, um 1910 und 1970er Jahre

Material: Holz, Glas, Metall

Technik: gesägt, lackiert,
gesteckt, genagelt, geschraubt

Maße des Kaufladens gesamt (H x B
x T): 53,5cm x 78,5cm x 40 cm

 

HMKV, Inv.-Nr. III 1212

 

 

Literatur und Quellen:

 

          Autor:in unbekannt: Historisches Kinderspielzeug und Brettspiele, in: WochenSpiegel (17.12.2026), S. 2.

          Trommer, Anica: Das Lieblingsspielzeug von einst entdeckt, in: Freies Wort (21.01.2027).

 

          Interview von Laura Körnig (HMKV) mit Ingeburg Albert am 7.2.2017 bei ihrem Besuch des Museums. Archiv HMKV.

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