Passend zum ersten Feuerwehrtag am 3. Mai 2026 im Hennebergischen Museum Kloster Veßra zeigen wir als Objekt des Monats Mai einen historischen Feuerspritzenwagen. Der Wagen ist von besonderer Bedeutung für die regionale Feuerwehrgeschichte Barchfelds und eines unserer Highlight-Exponate in der Domänenscheune.
Die Objektgeschichte lässt sich gut rekonstruieren. Eine Gemeinderechnung aus dem Jahr 1783 bezeugt die Bezahlung und somit Anschaffung des Spritzenwagens, der inschriftlich auf das Jahr 1782 datiert ist. Für das neue Feuerlöschgerät wurde – so ist es der Rechnung zu entnehmen – sogar ein neues Spritzenhaus errichtet. Bis zum Bau der Wasserleitung im Jahr 1927 war der Feuerwehrwagen im Einsatz. Ganze 144 Jahre! Danach beginnt für die Feuerspritze eine museale Reise: Erst kommt sie nach Schmalkalden in das Museum Schloss Wilhelmsburg bis sie 1986 dem Agrarhistorischen Museum in Kloster Veßra übereignet wird. Seither ist das Museumsobjekt in der Dauerausstellung zum Thema „Transport“ in der ehemaligen Domänenscheune zu sehen. Am Feuerwehrtag am 3. Mai 2026 steht der Feuerspritzenwagen der Gemeinde Barchfeld im Rampenlicht.
Auf dem hölzernen, vierrädrigen Wagen befindet sich eine Handdruckspritze, die von drei bis sechs Männern in Gang gesetzt wurde, um Löschwasser mit Saugschläuchen anzusaugen und durch Druckschläuche zu pumpen, um gefährliche Flammen zu bändigen. Zwei Zugtiere waren vor den Wagen gespannt, damit er zügig zum Brandort gebracht werden konnte. Die feuerrot angemalten Räder mussten im Brandfall schnell rollen. „Wen[n] die wilden Feüerflam[m]en. schlagen unverhofft zusam[m]en, so bin ich nechst Gott bereit, sie zu dämpfen alle Zeit“, ist auf der linken Seite des Wagens in einer aufgemalten Rokokokartusche zu lesen. Der Gebrauchsort und der Hersteller des Spritzenwagens sowie die Datierung werden in einer weiteren Inschriftenkartusche auf der anderen Wagenseite genannt:
„Diese Kunst geheret L. Ehrbaren Gemeinde zu Barchfeld verfertiget von Johan[n] Christoph Barth Kunstgießer und Spritzenmacher Langensaltz 1782“.
Über der Inschriftenkartusche in Rokokoformen schwebt ein nackter Engel mit brennender Fackel.
Johann Christoph Barth war ein herausragender Handwerker und Künstler. Weitere kunstvolle Details nehmen Bezug auf das Feuer und dessen Bekämpfung: die Metallbeschläge an den Ecken des Wasserkastens sind flammenförmig und rot angemalt, wie züngelnde Flammen. Die oberen Ecken des rot angemalten Wasserkastens sind mit geschnitzten Löwenköpfen besetzt. Mit ihren weit aufgerissenen Mäulern scheinen sie sich den Flammen entgegenzustellen. Oben am Wasserkasten und unten am Fahrgestell winden sich je zwei geschnitzte Schlangenköpfe nach vorne, als wollten sie listig und züngelnd den Flammen begegnen. Der Feuerspritzenwagen aus Barchfeld ist ein schönes Beispiel für die Handwerkskunst aus dem 18. Jahrhundert.
Dr. Meike Leyde
Der Feuerspritzenwagen der
Gemeinde Barchfeld
Hersteller: Johann Christoph
Barth, 1782
Material: Holz, Metall
Maße (H x L x B): 2,40 m x 4 m x 1,86
cm
HMKV, Inv.-Nr. II 3361
Literatur und Quellen:
Gesuch von dem Kunstgießer und
Spritzenmacher Johann Christoph Barth zu Langensalza um Konzession zur
Fertigung von Feuerspritzen in den Langensalzaer, auch anderen thüringischen
und querfurtischen Amtsdorfschaften, 1754–1767, (Archivaliensignatur: A 30c II,
Nr. 1616 (Benutzungsort: Wernigerode) Fürstentum Sachsen-Weißenfels und
Sachsen-Querfurt. Kammerakten).
Gemeinderechnung der Dorffschafft
Fambach, Amt Herrenbreitungen 1783, Ausgabe beim Behuf der Feuergeräthschaft p
42 (Gemeindearchiv Fambach, enthalten im Archiv des Vereins für Hennebergische
Geschichte und Landeskunde …, Stadt- und Kreisarchiv Schmalkalden. (Kopie im
Museumsarchiv HMKV, zu Inv.-Nr. II 3361; mit Dank an Herrn Dr. Kümpel für
den Hinweis auf die Quelle und an Ute Simon für die Transkription)
Volkmar, Karl: Tausend Jahre
Barchfeld (Werra), Barchfeld/Werra 1933, S. 108 (Zeichnung von Alfred Oehring).
(Kopie im Museumarchiv HMKV, zu Inv.-Nr. II 3361)