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Scheune aus Ebenhards

Scheunen gehören neben Wohnhäusern zu den häufigsten Gebäuden ländlichen Bauens. Die großen landwirtschaftlichen Gebäude prägen sowohl als Feldscheunen als auch als Scheunen innerhalb eines Hofverbandes maßgeblich das Landschafts- bzw. Ortsbild. Zugleich sind viele Scheunen durch den Strukturwandel in ländlichen Räumen vom Abriss bedroht. In Freilichtmuseen, wie dem Hennebergischen Museum Kloster Veßra, können einzelne, prägende Bauten vor dem Abriss gerettet, bewahrt und der Öffentlichkeit präsentiert werden. Drei historische Scheunen stehen als Beispiele des wichtigen Bautyps im Hennebergischen Museum Kloster Veßra: Die Hofteichscheune (Ende 18. Jh.) aus Belrieth wird als Ausstellungsscheune für Traktoren genutzt. Die in situ um 1800 errichtete Domänenscheune beherbergt eine Ausstellung zum ländlichen Transport und im Dachgeschoß einen Depotraum. Die Scheune aus Ebenhards präsentiert im Museum den Wirtschaftsbau einer Hofanlage. Als Objekt des Monats August soll letztgenannte näher beleuchtet werden.

 

Die Scheune aus Ebenhards ist ein großes Fachwerkgebäude auf einem Natursteinsockel und mit aufwendigem Mansarddach[V1] [ML2] . Über ein breites, bauzeitliches Scheunentor an der Traufseite ist die Tenne zugänglich[V3] [ML4] . Hier konnten Erntewagen einfahren, um das Getreide oder Heu abzuladen. Über eine Schlupftür in dem wandhohen Scheunentor kann die Tenne auch bei geschlossenem Tor betreten werden. Flankiert wird die Tenne von Bansen [V5] [ML6] zur Lagerung der Ernte. Die Bansen sind durch Verbretterungen von der Tenne abgetrennt und teilweise mit Dielenboden ausgelegt. In anderen Bereichen der Bansen und in der Tenne findet sich Betonestrichboden[V7] [ML8] , der beim Ausdreschen vorteilhaft war. An die Bansen rechts der Tenne schließt ein Abstellraum für Geräte und Wagen an. Er ist mit Natursteinboden ausgelegt und durch eine zweite Öffnung der Traufseite zugänglich. Insgesamt ergibt sich also mit Bansen, Tenne, Bansen [V9] [ML10] und Nebenraum ein vierzoniger Aufbau der im Grundriss circa 10 m x 14 m messenden Scheune. Zur Originalausstattung gehört eine auf einer Zwischendecke fest eingebaute Dreschmaschine, die mit einem Elektromotor angetrieben wird. Vor der Elektrifizierung war 1922 zum Antrieb der Dreschmaschine eine Göpelhalle [V11] [ML12] an die Scheune angebaut worden, die jedoch nicht ins Museum umgesetzt wurde. Die Fachwerkwände weisen in den Gefachen zum Teil noch Lehmputz [V13] [ML14] auf. Ansonsten sind die Gefache mit Bruchsteinen ausgemauert. Vereinzelt gibt es mit Klappläden verschlossene Öffnungen in den Fachwerkwänden.

Über dem 4 m hohen Erdgeschoß erhebt sich ein gewaltiges, zweigeschossiges Mansarddach mit Krüppelwalm. Während das erste Dachgeschoß als Kehlbalkendach ausgebildet ist mit circa 2,70 m Höhe, ist das zweite Dachgeschoß ein circa 3,20 m hohes, einfaches Sparrendach. Die Geschosse werden durch Leitern erschlossen. Von außen fallen am Dach die starken Profilierungen von Traufgesims und Gesims an der Kante des Krüppelwalms auf. In den verbretterten Dachgiebeln sind mit Klappläden verschlossene Öffnungen. Die Dachdeckung besteht aus handgezogenen Krempziegeln.

 

Die Scheune aus Ebenhards ist im Museum als Wirtschaftsgebäude dem Bauernhaus aus Eicha zugeordnet. Ein Altenteil[V15] [ML16] , der das Gehöft zu einem Dreiseithof ergänzen soll, ist bislang nicht vorhanden.

Ursprünglich wurde die Scheune 1850 in Ebenhards bei Schleusingen als Teil einer Hofanlage erbaut. Hier diente sie als Lagerraum für die Ernte, als Arbeitsraum zum Dreschen von Getreide oder zum Riffeln von Flachs und als Abstellfläche für landwirtschaftliche Geräte. Dank hervorragender Quellenlage wissen wir sehr viel über die Familiengeschichte des vormaligen Eigentümers Johann Heinrich Fink und über die wirtschaftliche Situation des Hofes in Ebenhards, der einer der größten im Ort war.

1992 konnte die mittlerweile funktionslos gewordene Scheune vom Museum in Kloster Veßra erworben werden. In Vorbereitung auf die Umsetzung ins Museum wurde das Gebäude zunächst am Ursprungsort fotografisch und zeichnerisch genau dokumentiert. Die tafelweise Umsetzung konnte 1999 erfolgen, die einzelnen Wände wurden dabei im Ganzen transloziert, wodurch die Ausfachung der Wände weitgehend erhalten blieb. Der Wiederaufbau im Museum war im September 1999 abgeschlossen.

Scheune aus Ebenhards

Scheune „Fink“ aus Ebenhards (LK Hildburghausen)

1850 erbaut in Ebenhards, 1999 transloziert und wiederaufgebaut im HMKV

 

HMKV, Bw 13

Weiterführende Literatur und Schriftquellen

Familien Zeiten Jahr-Buch […] Heinrich Fink angefangen im Jahr 1817, 154 S. [Privatbesitz]

 

Human, Armin: Chronik von Ebenhards, Hildburghausen 1880, S. 17.

 

Fink, Edgar: Unser Hof: Geschichte und Beschreibung, Manuskript 1937.

 

Witter, Thomas: Die Scheune „Fink“ aus Ebenhards (Lkr. Hildburghausen) von 1850 in der Freilichtausstellung des Museums, in: 25 Jahre Hennebergisches Museum Kloster Veßra 1975 – 2000 Festschrift, Kloster Veßra 2000, S. 179–184.

 

Witter, Thomas/Großmann, Bernhard: Fachwerk zwischen Rennsteig und Rhön (Veröffentlichungen des Hennebergischen Museums Kloster Veßra 14), Kloster Veßra 2007, S. 83–84, 140.

 

Zschäck, Franziska: Nebengebäude, in: Zschäck, Franziska/Lieberen, Torsten (Hg.): Balken, Bohlen, Wellerwände. Ländliches Bauen in Thüringen (Schriften der Volkskundlichen Beratungs- und Dokumentationsstelle für Thüringen Sonderband 1), Hohenfelden 2023, S. 24–30 [zu Scheunen].

 

Zschäck, Franziska: Gebäude in den thüringischen Freilichtmuseen, in: Zschäck, Franziska/Lieberen, Torsten (Hg.): Balken, Bohlen, Wellerwände. Ländliches Bauen in Thüingen (Schriften der Volkskundlichen Beratungs- und Dokumentationsstelle für Thüringen Sonderband 1), Hohenfelden 2023, S. 116–121, hier 119.

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