Aktuell ist nicht das gesamte Museumsgelände für alle Menschen erfahrbar, da bestehende Barrieren in Bezug auf Denkmalschutz und historischen Häusern schwer abbaubar sind. Dies stellt eine häufige Herausforderung für Freilichtmuseen dar. Daher will die Museumspädagogik des Hauses gemeinsam mit einer Fokusgruppen das Gelände erkunden und einen möglichst barrierefreien Rundweg ermitteln, um daraus gemeinsam einen „Erlebnispfad für die Sinne – eine multisensorische und inklusive Erkundungstour durch das Museum in Kloster Veßra“ entwickeln zu können. Wir möchten gemeinsam mit einer Fokusgruppe, bestehend aus Schülerinnen und Schülern der regionalen Förderschule „Albert Schweitzer“ aus Hildburghausen, aktiv Barrieren abbauen und die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen an der Museumsarbeit und dem gesellschaftlichen Leben stärken.
1. vorbereitender Ersttermin (19.1.2026)
Die Projektbeteiligten aus dem Team des HMKV treffen sich in einem Online-Meeting mit der Inklusionsbeauftragten für Museen Simone Doll-Gerstendörfer. Ziel ist es, die Beteiligten auf die folgenden zwei Praxisworkshops hinsichtlich Inklusion und Diversität im Museum zu sensibilisieren und vorzubereiten. Themen wie die Berücksichtigung der Tagesstruktur der SchülerInnen, Allergien, Umgang mit schwierigen Situationen und diverse Krankheitsbilder werden besprochen. Die Liste mit den Teilnehmenden aus der Albert-Schweitzer-Förderschule inkl. Vermerk zur Behinderung liegt bereits vor, sodass gezielt Schwerpunkte besprochen werden können.
2. erster Workshop-Tag (26.3.2026)
Eine diverse Gruppe von SchülerInnen der Albert-Schweitzer-Förderschule Hildburghausen besucht das Hennebergische Museum Kloster Veßra. LehrerInnen und I-HelferInnen sind ebenfalls vor Ort. Nach einer Vorstellungsrunde, unterstützt durch die Handpuppe Henne Mechthild, geht es mit den SchülerInnen, LehrerInnen, I-HelferInnen, dem Museumspersonal und Simone Doll-Gerstendörfer auf einen gemeinsamen Rundgang, in welchem das Gelände und die Schwerpunkte des Museums vorgestellt werden: Landtechnik, Klostergeschichte, Fachwerkarchitektur und Nachhaltigkeit. Begleitend ist ein Provisorium für eine mobile Tischeinheit (eigentlich der Ständer für unsere Spielsachen in der Spielscheune) dabei, die mit möglichem Begleitmaterial bestückt war, bspw. einer Glocke, um das Läuten der Kirchturmuhr zu simulieren, und Steckverbindungen, um den Bau von Fachwerkhäusern zu verdeutlichen. Tagesziel ist es, gemeinsam ein Konzept zu entwickeln, welche inhaltlich und von der Route her den Bedürfnissen der Fokusgruppen gerecht wird.
Nach dem ersten Rundgang gibt es eine Pause mit gesunden Snacks und Getränken.
Anschließend wird die Gruppe in Kleingruppen aufgeteilt, um in Workshops die einzelnen Bereiche Landtechnik, Fachwerkarchitektur und Klostergeschichte auf ihre Erfahrbarkeit im doppelten Sinne zu prüfen: Wo gelangt man gut hin, ggf. auch mit Rollstuhl, und was ist inhaltlich begreifbar. Das Thema Nachhaltigkeit ist allen Bereichen innewohnend. Jede Gruppe wird von einem museumspädagogischen Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin sowie den Betreuenden der Förderschule begleitet. Die Inklusionsbeauftrage Simone Doll-Gerstendörfer steht jeder Gruppe beratend zur Seite.
Nach einer Mittagspause ging es in die Feedbackrunde. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass v. a. auf Möglichkeiten der multisensorischen Vermittlung zurückgegriffen werden sollte. Der Rundgang soll auditiv, taktil, visuell, olfaktorisch und gustatorisch den Teilnehmenden Inhalte an verschiedenen Stationen im Museum vermitteln. Die Dauer von 90 Minuten ist angemessen. Das gesamte Gelände kann in dieser Zeit in seinen Teilbereichen vorgestellt werden. Bereiche, die den SchülerInnen v. a. im Gedächtnis geblieben sind, sollen künftig Berücksichtigung finden, da diese von besonderem Interesse sind.
Die mobile Einheit als begleitendes Element hat sich bereits mit dem Provisorium als sinnvoll erwiesen. Wichtig ist, dass es genügend Stauraum (bspw. Schubfächer) gibt und sie mit geländetauglichen, großen Rädern ausgestattet wird.
Ein wichtiger Punkt ist auch das Wohlfühlen im Vordergrund. Auffallend ist, dass selbst SchülerInnen, die sonst laut sind oder Laute von sich geben, beim Rundgang und im Workshop ruhig waren, die Atmosphäre genießen und die Testobjekte zur sinnlichen Vermittlung gut annehmen.
Im Anschluss an diesen Workshoptag erarbeitet das Team des HMKV auf Basis des erhaltenen Inputs den Erlebnispfad sowie die mobile Einheit. Hier wird ggf. Frau Doll-Gerstendörfer beratend hinzugezogen sowie die Fokusgruppe um Rückmeldungen gebeten (Termine nochmal vor Ort bzw. in der Förderschule).
Gefördert wird unser Vorhaben durch das Projekt GEAR UP! mit Mitteln der EU und des Thüringer Ministerium für Soziales, Gesundheit und Arbeit. GEAR UP! wird in Thüringen durch das Eine Welt Netzwerk Thüringen umgesetzt.